Konfliktberatung

Mit der Sattelzugmaschine fahre ich solo zu einer auftraggebenden Spedition, um einen leeren Auflieger zu übernehmen. Mit diesem soll es dann zum ersten Kunden zum Beladen gehen. Angekommen im Dispositionsbüro erfahre ich, dass kein leerer Auflieger für mich vorhanden ist. Ok, das kann passieren, sollte aber nicht. Das Problem dabei ist, dass ich, um den Auftrag eventuell noch retten zu können, auch gerade keine Tüten, Beutel, Kartons, Eimer oder vergleichbare Transportbehältnisse bei mir habe.

“Hm und nun?”

, frage ich.

“Tja, dann nimmste halt einen anderen Auflieger, der für einen anderen Kunden vorgeladen ist”

, erhalte ich als Antwort vom zuständigen Disponenten.

Okay, gesagt getan. Eingestiegen und zum Stellplatz des vorgeladenen Aufliegers gefahren. Gewissenhaft wie ich bin, checke ich erst mal den mir zugewiesen Auflieger auf technische Unversehrtheit und ob alle Sicherheitsuntersuchungen, wie zum Beispiel die HU (Hauptuntersuchung), noch Gültigkeit haben. Leider nein. Vor einem Monat abgelaufen. Das ist nicht gut. Das gibt Ärger wenn die dafür zuständige Behörde davon Wind bekommt.

Was tun?

Termingut auf das der Kunde dringend wartet. Wird nicht geliefert gibt es Ärger vom Kunden. Wird geliefert gibt es Ärger von der Behörde. Diesen Konflikt gilt es jetzt in eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung umzuwandeln. Wenn mir hierbei einer helfen kann, dann ist es der zuständige Fuhrparkleiter, welcher für die Fahrzeuge und das dazugehörige Material verantwortlich ist.

Dazu betrete ich das Büro und entdecke erstmal vor mir ein riesiges Frühstücksbuffet. Besonders heraus sticht hier der riesige Mettberg mit Zwiebeln. Wer von den drei hier Anwesenden soll das alles essen, frag ich mich.

“Was können wir für Dich tun?”

, tönt es mir entgegen.

Ich:

“Tja, kann mir jemand sagen, ob ich mit einem Auflieger der ganz dringende Ware für einen Kunden geladen hat, aber zwingend zur Hauptuntersuchung muss, noch fahren darf?“

Ratlose Gesichter. Das hätte ich jetzt nicht erwartet und vor allem nicht hier. Es kommt mir so vor, als wenn sie eher mit einem ganz anderen als meinem Problem beschäftigt sind.

Ich:

“Ähm, ja. Wie gesagt, darf ich oder darf ich nicht?”

, hake ich nochmal nach.

“Ja, kannste”

, bekam ich als Antwort.

Ich:

“Aha, nach welcher gesetzlichen Grundlage?”

Und wieder ratlose Gesichter. Ein Auszubildender schaut im Internet auf einer Seite nach, auf der jeder Fragen zu allen möglichen und unmöglichen Themen stellen kann. Diese werden dann von Menschen beantwortet, die glauben, die richtige Lösung zu kennen.

“Also hier steht, Du kannst”

, versucht mich der Azubi zu beruhigen.

Ich:

“Okay. Und was sagt das Gesetz?”

, frage ich zurück. Der am Nachbartisch sitzende Fuhrparkmitarbeiter schaut nun auch im Internet nach, findet auch die richtige Seite und meint etwas unsicher:

“Der Auflieger darf ‘eigentlich’ nicht im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden! Aber ganz genau kann Dir solch wichtige Fragen unser Fuhrparkleiter beantworten.”

Dieser betritt in diesem Augenblick aus dem Nachbarzimmer das Büro, deutet auf den riesigen Berg mit Mett und meint:

“Hier, ganz wichtig. Jeder zwei Brötchen und wenn Mett übrig bleibt, dann an die Werkstatt weitergeben!”

Meine Frage von vorhin bezüglich des Mett ist somit direkt und die aktuelle irgendwie auch beantwortet. Die ratlosen Gesichter sind wieder weg und ich auch.

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