Abwechslung

Einer der Gründe warum ich meinen Beruf so liebe, ist die Abwechslung. Jeden Tag woanders, jeden Tag andere Menschen, neue Erfahrungen und Herausforderungen. Für mich ist es eine Horrorvorstellung irgendwo in einer Fabrik am Band zu stehen und 8 Stunden wie ferngesteuert irgendwelche Komponenten zusammen zu schrauben. Natürlich muss es solche Jobs geben, aber für mich ist das nix.

Es ist ja nicht so, dass es solche Tätigkeiten nicht auch in der Transportbranche geben würde. Viele meiner Kollegen sind schon seit Jahren auf immer der selben Route unterwegs. Jeder Kilometerstein wird mittlerweile schon mit Namen angesprochen. Da schleichen sich auch schon mal kleine Marotten ein, die einem selbst gar nicht mehr bewusst sind.

Neulich musste ich vertretungsweise den Lkw eines Kollegen steuern. Dieser ist mittlerweile seit 7 Jahren auf immer derselben Nacht Route unterwegs. Das Innere des Lkw’s ist so penibel sauber und aufgeräumt, dass ich das Gefühl bekomme, dass hier nicht mein Kollege, sondern Meister Propper mit Hang zur Pedanterie hinter dem Steuer sitzt. Die Seitengardinen perfekt in Falten gelegt, das Bettzeug nahtlos auf Kante gebügelt und alles auf dem Ablagetisch adäquat horizontal ausgerichtet. Ich bin echt überwältigt von so viel Sorgfalt. Bei meiner Tour bekomme ich dementsprechend richtig Angst, dass durch mich das Innere des Fahrerhauses aus dem psychologisch-geometrischen Gleichgewicht gebracht werden könnte.

Am späten Nachmittag übergebe ich nach erledigter Tagestour, den Lkw wieder an den Stammfahrer. Nach der Begrüßung bügelt er erst mal mit seinen Händen die Seitengardinen gerade und richtet die Frachtpapiere auf dem Ablagetisch perfekt in Richtung Nord-Nordost aus. Um dem Kollegen nicht aus Versehen das Gefühl zu vermitteln, dass mit ihm etwas nicht stimmen könnte, verhalte ich mich einfach weiterhin ruhig.

Ein paar Tage später treffe ich den Kollegen wieder. An seinem Lkw entdecke ich einen Schaden der ziemlich schlimm aussieht.

Ich:

“Was ist passiert Kollege?”

Darauf er:

“Tja, ich weiß auch nicht, die haben da auf meiner Strecke einen Kreisverkehr gebaut und den muss ich irgendwie übersehen haben.”

Ich sag es ja, Abwechslung.

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