Was die Anderen sagen

Es ist 18:47 Uhr und es sind nachfolgend ca. 10 Kilometer bis zum Feierabend auf einem Autohof im Norden von Deutschland. “Dieser soll richtig gut sein”, sagen jedenfalls andere Fahrerkollegen, “es sei ein bisschen wie zu Hause.”

Da ich nicht die heimischen Unterkünfte der Kollegen kenne, kann ich das so noch nicht direkt bestätigen und werde erstmal selbst schauen ob das auch stimmt.

Aber, ich muss sagen, mir gefällt er bis jetzt auch ganz gut. Besonders die ruhige Lage am Waldesrand. Da weiß ich jetzt schon, dass das heute eine erholsame Nacht wird. Und das ist ja zumindest schon mal ein bisschen wie zu Hause.

Nach dem normalen allabendlichen Prozedere, Duschen, Essen, Telefonieren und etwas im Internet surfen, lege ich mich mit dem wunderschönen Gefühl der Ruhe, Entspannung und Gelassenheit, welcher mir dieser Autohof vermittelt, in’s Bett. Langsam gleite ich dahin in die Welt der Träume. Jemand scheint mir das allerdings nicht gönnen zu wollen.

Es klopft an meiner Fahrertür. Hä, wie, was, Unfall, Gefahr, Feuer, Einbruch, Polizeikontrolle?

Völlig erschrocken und in der Hoffnung dass nichts schlimmes passiert ist oder noch passieren wird, schiebe ich den Vorhang zur Seite und öffne die Scheibe.

“Challo Kollega, ich mache for Funzig Euro grosse Liebe mit dir”

, haucht mir eine Frau in einem ukrainisch-deutschem Buchstabensalat entgegen.

Wie bitte, Oh Gott, nein. Das glaub ich jetzt nicht:

“Nein Danke, ich will in Ruhe schlafen”

, gebe ich ihr genervt zur Antwort.

Sie wieder:

“Ja schlaffen, Funzig Euro”

und will bei mir einsteigen.

Ich:

“Nein, ich meine, ich will alleine schlafen und jetzt lass mich bitte in Ruhe, ja. Außerdem bin ich glücklich vergeben.”

Junge, Junge, sollte sich tatsächlich einer meiner Kollegen auf sie einlassen, wird er wahrscheinlich alles bekommen, außer Schnupfen. Aber das soll nicht mein Problem sein. Einige Diskussion später zog sie endlich ab, belästigte danach allerdings andere schlafende Kollegen. Ich weiß nicht ob sie sich nicht merken konnte an welcher Lkw Kabine sie bereits geklopft hatte, jedenfalls wiederholte sich das Spiel in der Nacht bei mir noch weitere drei mal.

“Challo Kollega, ich mache for Funzig… ach, äh… entschuldiga… du wollen ja schlaffen, alleine.”

Am nächsten Morgen stehe ich völlig übermüdet auf und weiß, dass dieser Autohof doch nicht ist wie zu Hause, jedenfalls nicht so wie die Kollegen sagen.

Ein Gedanke zu “Was die Anderen sagen

  1. Eventuell haben Deine Kollegen ja auch andere Vorstellungen davon was „gut“ bedeutet?
    Und daheim kriegen sie ja auch Versteifungen beseitigt. Oder so ähnlich.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s