Nix’e Gummi

Der bulgarische Lkw Fahrer einer für wenig Geld fahrenden Spedition und meine Wenigkeit stehen gemeinsam in einem Versandbüro einer großen Firma. Der bulgarische Lkw Fahrer soll für Spanien große und schwere Gestelle laden. Diese müssen natürlich gesichert und laut Vorgabe des Verladers auch gegen Verrutschen mit Antirutschmatten unterlegt werden. Eigentlich alles kein Problem, wenn man denn als bulgarischer Lkw Fahrer auch Antirutschmatten dabei hat. Und das ist das Problem.

Auf die Frage des Versandmitarbeiters wo die Antirutschmatten des bulgarischen Lkw Fahrers sind, antwortet dieser nur lapidar:

Nix’e Gummi.

Ok, so etwas kann man durchaus mal sagen. Ich hätte diese Aussage aber eher in einer horizontalen Immobilie, als in einem Versandbüro einer großen Firma vermutet.

Der Versandmitarbeiter:

Wie nixe Gummi? Du willst hier laden und hast noch nicht mal Antirutschmatten dabei?

Nein hat er nicht und eine gute Meinung von seiner Spedition auch nicht.

Der bulgarische Lkw Fahrer:

Meine Firma Katastrophe.

Der Versandmitarbeiter:

Ja genau, Katastrophe. Und jetzt muss ich wegen dir mit dem Fahrrad zwei Kilometer zum Magazin fahren und für dich Antirutschmatten holen. Man, man, man.

Ich überlege kurz. Das Magazin ist doch höchstens 300 Meter weit weg und 300 m + 300 m = 2000 m? Egal. Jetzt nimmt der Versandmitarbeiter verbal erst mal richtig Anlauf und feuert alles ab, was er über Lkw Fahrer im Fernsehen bisher so präsentiert bekommen hat.

Der Versandmitarbeiter:

Man sieht es doch überall im Fernsehen, dass ihr Lkw Fahrer beim Fahren Filme guckt, euch die Fußnägel schneidet oder sogar besoffen hinterm Steuer sitzt. Und von Ladungssicherung habt ihr auch keine Ahnung. Jedesmal wenn ihr angehalten werdet ist doch immer irgendwas. Jeder Lkw Fahrer der auf deutschen Straßen unterwegs ist, muss eine Ladungssicherungschulung gemacht haben. Und was ist? Nichts. Und sowas will hier laden.

Da haben Kabel 1 und Konsorten wieder ganze Arbeit geleistet. Was tut man nicht alles für eine gute Quote? Nun schalte ich mich in die kleine Unterhaltung ein.

Ich:

Das ist halt der Preis den man zahlen muss wenn man es billig haben will. Wenn ihr unsere Firma das machen lassen würdet, dann müsstest du dich nicht auf dem Fahrrad verausgaben, sich der bulgarische Kollege hier nicht zum Horst machen und ich könnte auf meinen dämlichen Kommentar auch verzichten. Einen Mercedes bekommst du ja auch nicht für den Preis einer Bockwurst.

Oha, wenn Blicke töten könnten. Ich würde einmal lang hin vor dem Schreibtisch des Versandmitarbeiters liegen.

Der Versandmitarbeiter:

Hallo? Ihr seid doch einfach viel zu teuer!

Ich:

Nein, sind wir nicht. Wir sind unsere Leistung einfach wert. Punkt.

So, nun ist Ruhe. Kein Wort mehr. Ich unterschreibe nur noch schnell meine Ladepapiere und verlasse das Versandbüro. Auf dem Weg zum Lkw überlege ich noch so in was für einer verdrehten Zeit wir eigentlich leben. Als ich in jungen Jahren auf das Leben vorbereitet wurde, da hieß es noch, dass es ohne Gummi richtig teuer werden kann. Heute scheint das wohl nicht mehr so zu sein.

3 Gedanken zu “Nix’e Gummi

  1. Vielleicht sollte man als Verlader darüber nachdenken, LKW mit unzureichenden Ladungssicherungsmitteln abzuweisen. Manche Verlader machen das ja. Und andere *hüstel* machen mit dem Verkauf von Ladungssicherungsmitteln (und persönlicher Schutzausrüstung) ein schönes Nebengeschäft.

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