Der Sinn des Lebens

Die Ankunft

Für die Tatsache, dass man geboren wurde kann man ja in der Regel nichts. Es sei man ist Buddhist und glaubt an Wiedergeburt, vielleicht gar vor dem Hintergrund persönlicher Wiedergutmachung der im Vorleben begangenen Schandtaten. Das heißt, nach der im Normalfall glaubensunabhängigen Geburt ist man ab einem bestimmten Zeitpunkt des irdischen Weltgeschehens physisch anwesend, ob man das nun will oder nicht.

Die Früphase

Als Kleinling ist man vollends damit beschäftigt ausreichend Schlaf zu erhalten, genährt sowie den zur Verfügung gestellten Windeln ihrem erdachtem Verwendungszweck gerecht zu werden und …ganz wichtig… anderen Menschen gewaltig auf die Nerven zu gehen. Vor allem denjenigen welche dafür verantwortlich sind, dass man von nun an existent ist. Demzufolge ist Schlafen, Essen, Windeln vollmachen und nerven in dieser Frühphase des eigenen Vorhandenseins erst mal das worauf es ankommt. Kurze Zeit später will man dann auf das Leben vorbereitet werden. Man will lernen, am besten spielerisch oder gelegentlich auch durch Schmerzen. Hierzu seien nur mal, trotz mehrfach warnender Hinweise der Mutter, die heiße Herdplatte in der elterlichen Küche oder der seitlich direkt in die Dolby Absurd Sound Anlage des Vaters kippende Gummibaum als signifikante Beispiele genannt. Essenziell ist beim Lernen natürlich auch die Sprache. Aus Blablabla-Lalarifari-Dadida wird allmählich M + a + m + a und P + a + p + a. Anfangs noch etwas holprig, aber immerhin. Über die Sprache muss schließlich das bitter notwenige Gefühl des Zugehörigkeitsgehorsams gegenüber den eigenen Verwandten entwickelt werden. Zusätzlich wird das auf Grund der Nahrungsversorgung durch die direkten Angehörigen erzeugte Gefühl schnell zum festen seelischen Bestandteil des gerade beginnenden Lebens.

Die Kindertagesstätte

Die Überlassung in eine Kindertagesstätte lässt erste richtige Fragen über den Sinn des Lebens in einem leise empor keimen. Die mit tiefer Stimme ausgesprochene Spiele-Feierabend-Aufforderung der als ehemals slowakische Unterwasserstabhochboxtrainerin arbeitenden Erzieherin, verleitet schnell zu der in diesem Alter absolut berechtigten Frage nach dem Sinn selbiger.

„Was Spielende? Schluss mit Spielen? Aber Spielen macht doch Spaß!“

Und somit kristallisiert sich hier bereits ein wesentlicher Bestandteil der Frage nach dem Sinn des Lebens heraus. Der Faktor Spaß. Was man macht muss Spaß machen. Ein tiefes Loch im Sandkasten buddeln, frech grinsend mit dem Dreirad in die Hacken der Erzieherin fahren oder Regenwürmer mit der Schippe und seinen gleichaltrigen Spielkameraden auf ihren Durchhaltelebenswillen testen.

Der entwicklungspsychologische Verlauf

Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Frage nach dem Sinn des Lebens ist der entwicklungsphysiologische Verlauf. In der Übergangsphase wo man überlegt, ob man Mädels oder Jungs noch hauen oder ihnen bereits leicht verliebt hinterher gucken soll, übermannen einen Gefühle welche man mit Achterbahn fahren, kopfüber, rückwärts im Vierer Ohne auf Slalomkursen in den mit Rosenblüten bedeckten Vulkantälern der frühsommerlichen Hocheifel beschreiben könnte. Alles ist plötzlich so wirr, durcheinander, seltsam und fühlt sich so komisch an, einfach unerklärlich. Man entdeckt Dinge an einem welche zwar schon immer da waren, aber deren Funktionsweise bisher nie ernsthaft hinterfragt wurden. Und jetzt entstehen Fragen welche vorher nie eine Landerlaubnis auf dem elterlichen Wohnzimmertisch erhalten hätten. Ist die gleichzeitige Benutzung meines biologischen Unterschiedsmerkmales zum anderen Geschlecht und meines Gehirnes im Fall des Falles überhaupt möglich und wenn ja, wie? …und wer ist eigentlich dieser Doktor Sommer? Hier kommt man dem Sinn des Lebens schon ein ganzes Stück weit näher. Wobei sich die Fragen in dieser Phase immer noch und ausschließlich nur um den Faktor Spaß bewegen.

Die Schule

Anders dagegen verhält es sich in der Schule. Man ist die ganze Zeit damit beschäftigt den Anforderungen der Lehrer gerecht zu werden. Lehrer fordern aber nicht nur auf zum Lernen, nein sie verlangen auch Antworten. Wie lange dauerte zum Beispiel der 30 jährige Krieg, was ist die Wurzel aus 2 hoch minus 4 unten oder welche Farbe hat der Haltemast der Flagge von Absurdistan? Natürlich entstehen dadurch in dieser Zeit bei einem selbst auch Fragen. Aber nicht nach dem Sinn des Lebens, eher nach dem Sinn der Lehrer. Wozu wollen Lehrer von einem wissen, ob die Tangentialfunktion relativ zur Position der Kreiszahl Pi oder bipolar zur gleichschenkligen Lage der Hypotenuse steht? Warum wollen Lehrer wissen was ein Karpatengebirge ist, wenn es doch reicht, dass es vorhanden ist und man dort im Winter super Ski laufen kann? Wieso soll man Lehrern sagen, was – „man gehe gern die Schule“ – auf Englisch heißt, wenn dem grundsätzlich auf Deutsch schon mal nicht so ist? Weshalb muss man sich für Musiklehrer und vor der ganzen Schulklasse zum Honk machen, indem man als talentbefreiter Sänger dennoch ein altes Volkslied vortragen soll? Wieso, weshalb und warum?

Relativ interessant hingegen ist der biologische Teil der Schulbildung. Was passiert wenn Jungs und Mädchen anfangen die Geschichte von den Bienchen und Blümchen im Unterricht zu hinterfragen und privat nachzuahmen? Was passiert da im und am Körper und wie geht man damit überhaupt adäquat um? Und wie sieht es nach der Benutzung mit den Konsequenzen aus? Zählt Spaß mehr als eine gesicherte Zukunft? Eher mit solchen Fragen kommt man in dieser Phase der Frage nach dem Sinn des Lebens nahe.

Die Ausbildung

Die Ablenkung von der Frage nach dem Sinn des Lebens geht dann weiter in der Ausbildung, schließlich soll aus einem später etwas Vernünftiges werden. Eisenbahnbautechniker(in), Lkw Fahrer(in), Maschinist(in) oder Krankenschwester(in), egal, jeder nach seiner Fasson oder nach dem was einem beruflich eben halt so Spaß macht. Und da ist er wieder der Spaß. Er muss wohl die große Triebkraft des Lebens sein, zumindest bis hier hin. Selbstverständlich ist die Ausbildung kein Zuckerschlecken. Wieder diese Lehrer und hinzukommend diesmal die Ausbilder mit ihren Fragen. Aber das kennt man ja schon alles aus der Schulzeit, außer, dass jetzt zusätzlich noch gearbeitet werden muss. Eine gewisse Ernsthaftigkeit stellt sich ein und es entstehen Fragen welche die eigene Entscheidung zur Wahl der Ausbildung ein wenig in Zweifel ziehen. Hat man sich wirklich richtig entschieden, als man glaubte später bei Wind und Wetter draußen auf dem Bau arbeiten zu wollen oder steckt doch mehr in einem von dem man einst ausging? Die Frage nach dem Sinn des Lebens rückt näher, aber da gibt es ja noch den Spaß. Keine Ausbildung ohne Spaß, denn erträglich soll die Ausbildung ja schon sein. Also unterfüttert man seine Ausbildung mit gemeinsamen frühmorgendlichen Notbremsungen von Straßenbahnzügen auf dem Weg zur Berufsschule, allabendlichen Saufgelagen oder Partys generell. Denn wie heißt das Sprichwort so schön? Wer lernen kann, der muss auch feiern.

Das Leben

Die Ausbildung ist geschafft und die Suche nach einem passenden Job hat auch funktioniert. Eine Lebensbegleiterin oder einen Lebensbegleiter hat man auch. Jetzt kommt eine wesentliche Frage ins Spiel. Was soll aus einem werden wenn man groß ist, also so 30 – 40 Jahre groß? Wie und wo will man wohnen und mit welchen Möbeln? In einer Wohnung, in einem Haus und wie viele will man werden und mit wem kann das alles realisiert werden? Muss man dafür heiraten oder reicht eine mündliche Beziehungsvereinbarung mit der Lebensbegleiterin/dem Lebensbegleiter aus? Man merkt, es wird langsam ernst. Das muss er also sein, der Sinn des Lebens. Vermehrung und sich dabei wohl fühlen. Aber Achtung, da muss es doch noch mehr geben. Was ist denn mit Spaß, dem Urantrieb des bisherigen eigenen Seins? Wenn das Arbeiten und das Leben mit der Familie keinen Spaß macht, was macht das dann für einen Sinn? Aber keine Sorge, auf Grund der vielen Aufgaben mit denen man in den folgenden Lebensjahren beschäftigt ist, wie zum Beispiel Arbeiten oder Karriere machen, Heiraten, Haus bauen, Familie ernähren, Kinder groß ziehen und mit dem Hund bei Platzregen Gassi gehen, hat man gar keine Zeit sich mit der Frage des Spaßes und dem Sinn des Lebens zu beschäftigen. Hinzu kommen, wenn noch vorhanden, die wenigen Hobbys, für die man auf Grund der familiären Situation auch kaum noch Zeit findet. Sich verantwortungsvoll kümmern ist angesagt.

Die Midlife Crisis

Die Jahre vergehen und plötzlich stellt man fest, dass irgendetwas anders ist als vorher. Man ist mit 46 Jahren älter und ruhiger geworden. Alle gesteckten Ziele sind soweit erreicht. Das Haus oder die Eigentumswohnung ist bis auf wenige Quadratzentimeter so gut wie fast abbezahlt, die halbe Familie ist bereits aus dem Haus oder der Wohnung ausgezogen, der Hund liegt satt und zufrieden in seiner Ecke und im Job hat man soweit auch alles erreicht, was im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen, Umschulungen und Karrierechancen möglich war.

Und plötzlich macht es RUMMS.

Ob man will oder nicht, jetzt ist die Zeit gekommen um mal ganz in Ruhe über den Sinn des Lebens nachzudenken und das eigene Sein in Frage zu stellen. Welchen Sinn macht meine Existenz auf diesem Planeten eigentlich noch? Würde sich die Erde auch ohne meine Anwesenheit und mein Zutun weiterdrehen? Wie soll meine Reise weitergehen? Was treibt mich zukünftig an? Was will ich eigentlich noch alles erreichen? Ja, was ist eigentlich der Sinn des Lebens überhaupt? Ok Spaß, das hatten wir schon, aber was noch oder ist das schon alles? Einfach nur Spaß und mehr nicht?

Das Fazit

Ich persönlich denke, dass diese Frage jeder für sich selbst beantworten muss. Letztlich dürfte es doch darum gehen, eine gewisse Demut gegenüber dem eigenen Schicksal walten zu lassen und ein sinn- und spaßerfülltes, über den Tellerrand aller Arbeiten und Aufgaben hinaus angelegtes Leben zu führen.

Sollten die Dinge des Lebens für einen selbst aber keinen Spaß mehr machen, dann ist das Leben halt nur noch die Hälfte wert.

Auf jeden Fall bin ich dankbar dafür, dass ich es schon mal bis hier hin geschafft habe. Das was bisher war und das was noch kommt sehe ich pragmatisch, ähnlich eines Sturzes aus der obersten Etage eines Hochhauses. An jeder Etage sage ich mir, bis hier hin ist alles gut gegangen, immer in der Hoffnung, dass das Beste noch kommen wird.

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