Das schlechte Image des Lkw Fahrers

Jeder Beruf bringt sein eigenes Image mit sich. Denkt man zum Beispiel an einen Arzt, so fallen einem sofort „Gelber Schein“ und lange Wartezeiten ein. Oder nehmen wir einen Versicherungsvertreter. Spontan kommen einem Provision, schlechte Beratung und hohe Beiträge in den Sinn. Dass ein Image nicht immer zwingend der Wahrheit entsprechen muss sollte jedem klar sein.

Und wie sieht das nun bei uns Lkw Fahrern aus?

Wenn man sich unter den Bevölkerungsteilnehmern mal so umhört, dann ist oft vom „Hilfsarbeiter mit Führerschein“ die Rede. Gleichwohl unsere Berufsbezeichnung häufig mit dem Begriff „Elefantenrennen“ eng verknüpft ist. Hinzu kommt die permanente Gefahr, die von uns Lkw Fahrern angeblich ausgeht. Auch wird uns eine gewisse Nachlässigkeit in der persönlichen Hygiene unterstellt.

Grundsätzlich muss erst einmal folgendes festgehalten werden: Ein Land bzw. dessen Wirtschaft ist ohne uns Lkw Fahrer nicht überlebensfähig. Die Regale in den Supermärkten wären leer. Es gäbe kein Benzin, keine Rohstoffe – es gäbe so gut wie fast gar nichts mehr. Weite Bereiche unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft würden zum Erliegen kommen. So gesehen sind wir Lkw Fahrer ein fester und dringend benötigter Bestandteil unseres Gesellschaftssystems.

Selbstverständlich gibt es auch unter uns Lkw Fahrern solche und solche, so wie es eben in jeder Berufsbranche gute und weniger gute Mitarbeiter gibt. Davon ist die Lkw Transportbranche nicht ausgeschlossen. Warum sollte sie das auch? So besonders außergewöhnlich sind wir nun wieder auch nicht. Ein großer Unterschied ist allerdings, dass die nicht so guten Lkw Fahrer eine viel größere Öffentlichkeitswirkung haben als Mitarbeiter, welche ihre Arbeit in ortsgebundenen, geschlossenen Gebäuden verrichten. Und leider ist es in den meisten Fällen so, dass sich hauptsächlich die negativen Verhaltensweisen einiger weniger Lkw Fahrer in den Hirnbehältern humanoider Lebewesen verfangen. Im Gegensatz zu früher, als wir Lkw Fahrer noch das Image eines „Kapitäns der Landstraße“ innehatten, wird heute auf uns geschimpft was das Zeug hält.

Was war früher so anders als heute?

Man wurde als Lkw Fahrer geachtet, teils sogar bewundert. Damals herrschte noch kein immenser Zeitdruck. Lkw Fahrer wurden auch noch nicht so gnadenlos von ihrer Disposition per GPS verfolgt. Als Lkw Fahrer absolvierte man seine Tour so gut und schnell, wie die Straße und der Verkehr es eben zuließen. Und wenn es am Zollhof mal wieder etwas länger dauerte als sonst üblich, dann war das ganz einfach so. Hinzu kommt, dass der Verkehr auf den Straßen früher auch noch nicht so stark war wie heute. Was in dem Zusammenhang auch nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die Tatsache, dass es früher bei den meisten Speditionen lange Wartelisten gab. Wer als Lkw Fahrer bei einer Spedition arbeiten wollte, der musste lange warten, bis er eingestellt wurde. Denn der Beruf des Lkw Fahrers war früher sehr begehrt. Da wurde auch nicht jeder „Hans und Franz“ genommen, nur weil man das „In-der-Gegend-herumfahren“ ganz toll fand. Da wurde noch Wert auf Können und gutes Benehmen gelegt. Dementsprechend verdiente man damals auch gutes Geld. Ein weiterer Unterschied ist der Zusammenhalt unter den damaligen Lkw Fahrern. Hatte ein Kollege eine Panne, so war es früher nicht unüblich anzuhalten und dem Kollegen zu helfen. Oder wenn man mit seinem Lkw irgendwo auswärtig übernachten musste, fanden sich immer zwei bis sieben Kollegen zusammen, welche bei einer gemütlichen Hopfenblütenkaltschale gemeinsam über dies oder das philosophierten.

Wie ist es heute?

Vieles bzw. so ziemlich fast alles hat sich zwischenzeitlich verändert. Dadurch, dass zum Beispiel Länder wie Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Bulgarien oder Rumänien in den vergangenen Jahren in die Europäische Union aufgenommen wurden, hat sich Deutschland zu einem innereuropäischen Transitland mit einem enorm hohen Verkehrsaufkommen entwickelt. Gleichzeitig hat der Konkurrenzdruck im europäischen Straßentransportgewerbe enorm zugenommen. Osteuropäische Speditionen sind nämlich aufgrund ihres geringen Lohnniveaus in der Lage, für geringere Frachtraten zu fahren. Um auf dem Transportmarkt aber den Anschluss nicht zu verlieren, sind hiesige Transportunternehmen dazu übergegangen, entweder aufzugeben oder sich preislich an die neue prekäre Situation im Transportgewerbe anzupassen. Was im Umkehrschluss nichts anderes bedeutet, als die Löhne der Lkw Fahrer zu senken, ergo billige Arbeitskräfte zu beschäftigen. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft in Deutschland wächst. Die Arbeitslosigkeit hat den niedrigsten Stand seit Jahren und – man mag es nicht glauben – es werden aktuell tatsächlich Waren im Wert von ca. 118 Milliarden Euro ins Ausland exportiert. Die Wirtschaft brummt, wohin man auch schaut. Und dennoch: Obwohl bei uns die wirtschaftliche Lage hervorragend ist, fehlen aktuell ca. 45.000 Lkw Fahrer, welche dringend benötigt aber nicht gefunden werden. Die Nutzfahrzeuge haben zwar an technischen Finessen gewonnen, ebenso die Ausstattungen der Lkw Fahrerkabinen im Laufe der Zeit immer besser wurden und dennoch entscheiden sich heute immer weniger Menschen für den Beruf des Lkw Fahrers. Als einer der Gründe sei nur mal der Zeitdruck erwähnt, unter dem die meisten Lkw Fahrer heutzutage zu arbeiten haben. Die Kunden verzichten aus Kostengründen weitestgehend auf eine Lagerhaltung. Die Ware hat – egal wie – zu einem bestimmten Zeitpunkt („Just in time“) beim Kunden einzutreffen. Und wehe, wenn nicht! Dann ist der Lkw Fahrer der erste, der die schlechte Laune des Kunden entgegen nehmen und abfedern darf.

Wer will sich so etwas freiwillig antun?

Richten wir unser Augenmerk mal auf die Situation auf der Straße. Gerade hier zeigt sich sehr deutlich, wie sich die Wahrnehmung und der Umgang mit der Zeit im Vergleich zu früher geändert hat. Heute erscheint vieles komprimierter und fühlt sich dadurch viel stressiger an. Niemand hat mehr Zeit, alles muss schnell gehen. Und ganz wichtig: jeder will der Erste sein. Wenn es früher für den zweiten Platz noch eine Medaille gab, so fühlt man sich heute auf dieser Position nur noch als Verlierer. Ich sage dazu nur: „Reißverschlussverfahren“ kurz vor Baustellen. Und vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass LKWs im öffentlichen Straßenverkehr oft nur noch als Hindernis wahrgenommen werden. Als Störfaktor auf dem Weg zum ersten Platz sozusagen.

Die Ware am besten noch vor der Bestellung geliefert haben wollen, aber bitte nicht stören dabei.

Doch so einfach ist das nicht. Ganz im Gegenteil. Durch diese sich wie ein Krebsgeschwür ausbreitende Mentalität herrscht heute fast so etwas wie Krieg auf unseren Straßen. Jeder gegen jeden. Erschwerend kommt hinzu, dass Speditionen und Transportunternehmen aufgrund der osteuropäischen Billigkonkurrenz, der wirtschaftlich guten Lage und der geringen auf dem freien Markt zur Verfügung stehenden Anzahl an Lkw Fahrern nun gezwungen sind jeden einzustellen, der einen Lkw Führerschein und eine Fahrerkarte besitzt, eine Jogginghose trägt und in dieser – völlig unabhängig von Qualität, Leidenschaft zum Beruf und gutem Benehmen – von hier nach da fahren kann. Infolge auch weniger qualifizierte Lkw Fahrer auf unseren Straßen unterwegs sind. Ob einem das nun passt oder nicht.

Welche Rolle spielen die Medien?

Eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem schlechten Image des Lkw Fahrers spielen auch die Medien, hier speziell das Fernsehen. Denn das große Problem des Mediums Fernsehen ist, dass zwar Dokumentationen über unsere tägliche Arbeit produziert und im Fernsehen gezeigt werden, diese sich allerdings einem engen Zeitrahmen und einer hohen Einschaltquote unterzuordnen haben. Das bedeutet, dass Berichte oder Dokumentationen in erster Linie so angelegt sein müssen, dass sie vom Zuschauer gut verdaulich konsumiert werden. Wie sonst rechtfertigt man als Fernsehsender die hohen Budgets gegenüber seinen Werbekunden? Ohne Einschaltquote keine Werbeeinnahmen. So kann es passieren, dass die Wahrheit über unseren Beruf im Sinne einer guten Quote … na sagen wir es mal vorsichtig … hin und wieder etwas verbogen wird. Dem Zuschauer wird dann oftmals unterschwellig suggeriert, dass sich Lkw Fahrer an keine Vorschriften halten, sie potentiell gefährlich sind und – was leider auch vorkommt – Lkw Fahrer etwas schlicht im Gemüt sind. Ich will gar nicht abstreiten, dass es solche Kollegen gibt. Aber wenn im Fernsehen aufgrund von zu erreichender Einschaltquoten vorwiegend solche Kollegen und deren Verhalten gezeigt wird, dann entsteht dadurch nun mal ein Image über unseren Beruf, welches eben nicht der Realität entspricht. Die meisten Zuschauer haben leider nichts gegen dieses gezeigte Klischee einzuwenden, da sie sich ihre Vorurteile über uns Lkw Fahrer durch Fakten nicht kaputt machen lassen wollen.

Wie kommen wir nun aus dem schlechten Image heraus?

Mein Vorschlag: Wir sollten alle, trotz Zeitdrucks, erst einmal wieder einen Gang herunterschalten und uns auf das Wesentliche – das Leben – besinnen! Denn das Leben ist viel zu kostbar, als es aufgrund von durch Hektik und Stress verursachte Unfälle auf der Straße liegen zu lassen. Wenn wir erkennen, dass wir uns alle gemeinsam die Straße teilen müssen und dass dies am besten mit gegenseitiger Rücksichtnahme funktioniert (anstatt zu jeder Zeit immer der Erste sein zu wollen), dann werden wir feststellen, dass ein Image für Lkw Fahrer (ob nun negativ oder positiv) gar nicht nötig ist. Das was zählt, ist die Realität. Und die sieht nun einmal so aus, dass wir Lkw Fahrer allen Widrigkeiten zum Trotz, einen hervorragenden Job machen – Image hin oder her.

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