Interview mit Berufskollege Dirk Ukowski

Vorwort

Ich habe mit meinem Berufskollegen Dirk Ukowski ein kleines Interview geführt und ihm ein paar Fragen zu seiner beruflichen Tätigkeit und zur Straßentransportbranche gestellt. Vielleicht ergibt sich aus der einen oder anderen Antwort, für die Leser dieses Blogs, als auch für mich, eine neue Sichtweise auf bestimmte Dinge selbiger. Meiner Meinung nach kann es nämlich nicht schaden, auch mal die Meinungen anderer Berufskollegen zu bestimmten Themen rund um den Beruf in Erfahrung zu bringen. Ich persönlich finde so etwas immer sehr spannend. Es könnte ja durchaus sein, dass ich mit meiner Sicht der Dinge auf dem Holzweg bin und mir ein Berufskollege mit seiner Meinung, eine andere Sicht auf die Dinge eröffnet. Was man dann im Endeffekt daraus macht, das ist einem ja immer noch selbst überlassen, aber zumindest hat man es mal gelesen und ist ein Stück weit aus seiner Filterblase heraus gekommen.

So viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten. Es werden weitere Berufskollegen/innen folgen.

Name: Dirk Ukowski

Alter: 49

Wohnort: Gelsenkirchen-Schalke

Arbeitgeber: Kördel Cuxhagen/Bottrop & Air Liquide Deutschland

Beruf: Lkw Fahrer im internationalen Fernverkehr

Dirk über sich selbst:

Ich bin ein typischer Ruhrpottler. Ich habe mein Herz auf der Zunge, ich sage was ich gut oder schlecht finde. Ich kann aber auch sehr gut schweigen oder zuhören. Wer mich als Freund hat, der hat mich für immer, egal wie selten man sich real sehen kann.

Interview

Welchen Beruf hast du gelernt und wie bist du zum Lkw Fahren gekommen?

Ich habe Koch gelernt, habe während meiner Bundeswehrzeit mein Abitur nachgeholt und wollte Jura studieren und dann kamen meine Kinder dazwischen, – wie das Leben halt so spielt.

Was ist für dich das Besondere an deinem Beruf?

Ich bin schon immer ein Vagabund gewesen. Ich bin gern unterwegs und ich lerne gern andere Menschen kennen. Ich kann super im Team arbeiten, bin aber auch gern allein. Ich kann mir nicht vorstellen 40 Jahre in das selbe Büro zu fahren, jeden Tag die selben Gesichter sehen. Ich liebe es selbstverantwortlich zu arbeiten, ohne jemanden hinter sich zu haben. Hierarchien auf Dauer, genauso Rumgeschleime bei Vorgesetzten sind mir ein Graul. Ich bin oft an Orten wo andere Urlaub machen. Der Beruf hat viele Schattenseiten, aber auch viel Licht .

Was war die schönste Tour, die du jemals gefahren bist?

Das waren sehr viele. Jede Tour die aus der Routine heraus fällt, ist besonders. Besonders im Gedächtnis ist mir eine Tour nach Russland geblieben. Die Herzlichkeit der Menschen und das zu einem Deutschen, deren Großvater dort gekämpft hat und gestorben ist, war sehr beeindruckend. Was ich jeden jungen Kollegen nur ans Herz legen kann, – wenn ihr die Möglichkeit habt – fahrt nach Skandinavien. Wunderbare Natur und noch bessere Menschen. Norwegen, Finnland – ein Traum.

Was war die außergewöhnlichste Situation, die du als Lkw Fahrer jemals erlebt hast?

Zwei Sachen sind da zu nennen:

1. Bei voller Fahrt ist mir ein Vorderreifen geplatzt und ich wäre fast „abgeschmiert“.

2. Im Stauende ist mir ein Kollege auf den Auflieger gefahren. Ich kam mit kleineren Blessuren davon, der Kollege war tod.

In welches Land fährst du mit deinem Lkw am liebsten und warum?

England, Niederlande, Skandinavien. Ich fahre eigentlich überall lieber, wie in Deutschland. Unsere Arbeit wird überall sehr geschätzt, am wenigsten allerdings in unserem Heimatland, was ich sehr traurig finde. Da ich aber meistens mit „Malochern“ zusammenarbeite, die auf mein Produkt (welches ich transportiere) warten, habe ich in Deutschland auch wenig Probleme.

Wie bleibst du mit deiner Familie, deinen Freunden unterwegs in Kontakt?

Das Übliche. Ich habe Laptop, Smartphone, Stromwandler usw. im Lkw. Ich bin mindestens so gut ausgestattet wie ein Luxuswohnmobilbesitzer.

Übernachtest du bei deinen Touren mit deinem Lkw lieber auf Autohöfen/Raststätten oder doch lieber abgelegen, wo es eher ruhig und einsam ist?

Ich bin durch meinen erlernten Beruf eher Selbstversorger. Ich koche lieber, als essen zu gehen. Ich kann oft beim Kunden oder an den Ladestellen Pause machen .

Schaffst du es dich auf deinen Touren gesund zu ernähren und wenn ja, wie?

Wie gesagt, ich bin gelernter Koch. Ich kann mich auch unterwegs sehr gut selbst versorgen. Ich gehe ganz selten und wenn, dann nur in ausgewählten Autohöfen essen. Für mich ist es ein totales Tageshighlight, mir was frisch zu kochen und zu genießen. Man kann das ohne Probleme, viele Kollegen wissen nicht wie einfach das wirklich ist. Das ist traurig.

Benutzt du als Berufskraftfahrer immer noch CB Funk und falls nicht, was benutzt du stattdessen während der Fahrt zur Kommunikation mit deinen Kollegen?

CB Funk ist immer an bei mir. Zur Kommunikation mit meinen Firmenkollegen nutzen wir eine WhatsApp-Gruppe, da wir zu weit auseinander sind.

Wie informierst du dich unterwegs auf deinen Touren über das aktuelle Weltgeschehen?

Ich habe ein DVBT2 Stick für’s Internet und wenn ich länger im Ausland bin, habe ich eine SAT Schüssel dabei .

Was tust du als Berufskraftfahrer aktiv für deine Gesundheit?

Ich ernähre mich gesund und da ich immer sehr sportlich war, versuche ich mich so viel wie möglich nach Feierabend zu bewegen.

Nutzt du als Berufskraftfahrer das Internet und wenn ja, wie?

Ich habe einen USB Stick oder benutze mein Smartphone als Hotspot. Im Ausland kann man auch viel die Hotspots an Raststätten nutzen. In Deutschland steckt das Ganze ja noch in den Kinderschuhen .

Hast du einen ganz speziellen Geheimtipp, den noch kein Berufskraftfahrer kennt und wenn ja, welcher ist das?

Fahrt zu Jägerheim nach Lohne/Dinklage. Die anderen Plätze im Ausland sind zu spezifisch, das würde den wenigsten Kollegen wirklich etwas bringen.

Was sind für dich die drei wichtigsten Probleme in der Straßentransportbranche, die es dringend zu lösen gilt?

1. Anwendung der EU Gesetze für das Transportgewerbe in allen EU Mitgliedsstaaten.

2. Parkplatzprobleme

3. Sicherheitstechnik in allen LKW und Bussen ohne Ausnahmen, das am besten GESTERN .

Betrachtest du das Image des Lkw Fahrers in Deutschland eher negativ oder eher positiv?

In meinen Bereich kann ich nicht klagen. Ansonsten ist es eine unfaire Vollkatastrophe.

Was sagst du zu den vielen Lkw Überholverboten in Deutschland?

Da sind die Kollegen teilweise selber Schuld! Man sollte in Deutschland, wie in anderen Staaten auch, mehr mit Zeitbeschränkungen arbeiten. Es macht keinen Sinn am Berg um 2 Uhr Nachts auf einer dreispurigen Autobahn, einen leeren Lkw beim Überholen zu hindern.

Bist du für oder gegen ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen und warum?

Ich bin dagegen, weil es keinerlei Effekt hat. Außer Deutschland haben alle europäischen Staaten Tempolimits und das Ganze hat Null Erfolg. Guckt euch mal die Unfallstatistiken von Belgien an. Tempolimits bringen meiner Meinung gar nichts.

Sollten deiner Meinung nach, die Module zur Berufskraftfahrer Qualifikation mit einer Prüfung abgeschlossen werden oder reicht eine reine Teilnahme für eine professionelle Tätigkeit als Berufskraftfahrer aus?

Unbedingt sollte es eine Prüfung geben und ich denke, dass es die auch bald geben wird. Das Problem dabei ist, das müsste auch richtig kontrolliert werden, aber da fangen die Probleme ja schon an.

Welche Meinung hast du zum zukünftigen autonomen Fahren?

Die Technik entwickelt sich nun mal weiter, bis das Ganze allerdings richtig serienreif ist, werde ich Gott sei Dank in Rente sein.

Wie lange dauert es noch, bis wir alle mit Strom angetriebenen Lkw´s über die Autobahn fahren?

10 Jahre

Gibt es deiner Meinung nach Gründe, die gegen die gesetzliche Regelung zur Nichtverbringung der Wohenruhezeit im Lkw sprechen und wenn ja, welche?

Ein LKW hat eine maximale Wohnfläche von 3 qm. Die Fahrerkabine hat keine Toilette oder fließendes Wasser. Jeder deutsche Schäferhund hat Anrecht auf mehr Luxus, – das sollte die Frage beantworten. 2-4 Wochen ist das ganz okay, wenn man das selber möchte, aber was in Osteuropa Gang und Gebe ist, das ist nicht menschenwürdig.

Was rätst du angehenden Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern, die sich noch in der Ausbildung befinden, im Bezug auf ihre spätere berufliche Tätigkeit?

Wenn ihr schlau seit, dann macht ADR Basis und Aufbaukurs Tank. Keine Ladungssicherung, das Produkt läuft alleine rein und wieder raus und der Lohn ist auch noch okay.

Was ist dein persönlicher Beitrag, die Welt ein Stück weit besser zu machen?

Ich bin Schalker, damit habe ich durch meine Geburt die Welt schon besser gemacht.

Welche Frage habe ich vergessen dir zu stellen?

Wann trinken wir endlich mal einen Kaffee zusammen?

Was willst du mir – dem Betreiber dieses Blogs – zum Abschluss dieses Interviews gern mit auf den Weg geben?

Ich möchte, dass du dich weiter kritisch mit unserer Materie auseinandersetzt, das machen viel zu Wenige.

*Ich danke dir für dieses Interview und wünsche dir weiterhin gute Fahrt.*

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